Donnerstag, 1. Juli 2010

Zurückziehen oder Zusammenziehen?

Jede Beziehung durchläuft die verschiedensten Phasen. Einige davon sind ein Muss, andere umgänglich, und wieder andere wünschenswert. Für die meisten haben wir aber vor allem immer eine Lösung, und natürlich das richtige Outfit parart.
Vom ersten Date, über den ersten Kuss, bis hin zum ersten Sex, eine grobe To-Do-Liste haben wir im Kopf.
Wann ist es Zeit für jenen Moment in dem man es schaffen kann, stundenlang ohne ein Wort neben einander zu liegen und sich trotzdem wohl fühlen kann? Wann stellt man die Eltern vor, und wann.. ja wann zieht man eigentlich zusammen?

Nicht jeden Beziehung hat auf ihrer To-Do-Liste den Punkt: Zusammen ziehen.
Wir führen Beziehungen bei denen wir wissen, dass sie nicht für die Ewigkeit sind, wir vergnügen uns unter Umständen mit dem Falschen, bis der Richtige kommt.
Aber wann ist der richtige Zeitpunkt in einer Beziehung um einen großen Schritt weiter zu gehen, um das Leben noch ein bisschen mehr zu teilen, um zusammen zu wohnen?
Ist die Wohnfrage eine Frage, die von einem klar gestellt werden muss?
Möchtest du mit mir zusammen ziehen? Erinnert regelrecht an: Möchtest du mich heiraten? Heiraten wollen wir doch noch gar nicht. In einer Ehe leben wir natürlich auch zusammen, aber gerade dies möchten wir mit der gemeinsame Wohnung zunächst testen, ausprobieren oder es einfach als Vorläufer die Ehe nutzen. Wie lebt es sich in den gemeinsamen 4 Wänden? Muss man vorher testen ob man zusammen wohnen kann, und sind wir fürs zusammen leben ungeeignet, wenn wir uns im 14-tägigen Spanien Urlaub gestritten haben?

Meine beste Freundin wohnt nun seit über 3 Jahren mit ihrem Freund zusammen. Erst haben sie als Freunde im gleichen Dorf gelebt, als es beide in die Großstadt verschlug und sie 600km von einander getrennt lebten verliebten sie sich als beide Urlaub bei den Eltern machten. Als ihr Arbeitsvertrag noch 11 Monate ging, wusste sie, dass sie zu ihm ziehen würde. Keiner von beiden hat gefragt. Die einzige Frage die sie sich stellten war: Was passiert eigentlich in der Zukunft? Er sagte: Ich wünschte du wärst immer bei mir. Und so kam sie nach den abgelaufenen 11 Monaten und blieb bis heute - glücklich.
Zusammen leben kann man nicht testen hat sie mir versichert, es ist anders als im Urlaub und manchmal möchte man sogar zurück zu getrennten Wohnugen weil er sich auf dem Rückweg von der Arbeit natürlich nicht schick für dich macht. Du bekommst ihn ab dem Tag zu 100 Prozent. Wenn du bis zu dem Moment nicht wusstest, dass er morgens eigentlich gerne 1 Stunde mit der Bild Zeitung auf der Toilette verbringt, wirst du es wohl oder übel dann erfahren. Die Liste der Macken wird länger und dennoch festigt es die Liebe so sehr, alleine schon weil du selbst im Schlaf weisst, ich kann aufwachen und muss mich höchsten umdrehen um ihn bei mir zu haben.

Ich musste nicht lange über ihre Wort nachdenken um zu wissen, dass ich bereit war. Bereit für den nächsten Schritt. Bereit dafür endlich mit ihm zusammen zu ziehen.
Ich hatte Angst ihn zu fragen. In meinen Hinterkopf hatte ich seit meinem Entschluss nur den einen Satz den er mal am Anfang unserer Beziehung sagte: Wenn ich studiere ziehe ich direkt aus, meine ganz eigene Wohnung wo ich so leben kann wie ich will.
Danach hat er nie wieder davon gesprochen, aber manchmal hat er Sachen gesagt wie: Wenn wir zusammen wohnen gibts aber keine pinken Deko-Sachen. Eindeutig, er dachte auch an das zusammen leben. Oder?
Ich wollte auf den richtigen Moment warten, doch nach 3 Wochen kam ich zu dem Entschluss, dass es diesen sowieso nicht gibt. So wie es ihn nun mal in keinem Bereich der Welt gibt.

Am Abend begann ich geschickt das Thema auf unsere berufliche Zukunft zu lenken und irgendwann zwischen dem Thema Werbeagentur und Visagistik sagte ich: Wir könnten dann ja eigentlich zusammen ziehen, oder? Er setzte einen mir unerklärlichen Blick auf uns meinte: Ja. Das war alles, nur ein Ja. Ich hielt es für klüger nicht weiter auf das Thema einzugehen und ihm Zeit zu lassen darüber nachzudenken.
Innerlich hatte ich Angst, dass er zu mir kommen würde und mir beichten müsste, dass er das noch nicht will. Immer wenn er einen Satz mit: Ich wollte dich noch was fragen begann, zuckte ich zusammen.

Einige Wochen später, ganz aus heiterem Himmel kamen wir auf das Thema zusammen ziehen, ich weiss nicht mehr wie aber ich weiss, dass ich nicht darauf hin gelenkt habe.
Wir malten uns die verschiedensten Sachen aus, alberten über die Farbwahl und diskutieren über Preise.
Ich habe beschlossen, dass er durch meine Frage gezielt angefangen hat darüber nachzudenken und dann zu dem Entschluss kam, dass er es sich auch vorstellen kann. Unsere Eltern wissen mitlerweile darüber Bescheid, in unserem Freundeskreis freut man sich sogar schon auf die Einweihungsparty. Warum ich so Angst vor der Frage hatte weiß ich nicht. Selbst ein Nein wäre kein Nein zu unserer Beziehung gewesen, vielleicht wäre es für ihn einfach nur zu früh gewesen. Darüber hätte man reden können. Ich bin mir sicher, dass egal ob bei Mann oder Frau irgendwann der Zusammenzieh-Punkt nach oben rückt, und man offen darüber reden sollte. Es kostet ein wenig Überwindung aber wenn auf unserer To-Do-Liste Urlaub steht, können wir den Mund ja auch aufmachen.

Mitlerweile kommen wir ständig auf dieses große Thema, und bald ist es soweit. Auf der Wohnungssuche sind wir schon, und in 2 Monaten soll es losgehen. Das Bett hat er schon ausgesucht, ich betrachte das als Zeichen. Als eindeutiges Zeichen mit geistiger Verbindung zu dem wunderschönen Ende der Geschichte meiner besten Freundin.

Es ist die richtige Entscheidung, und der mitlerweile mit rot unterstrichene, für längst fällige Punkt, auf meiner To-Do-Liste.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Bei aller Freundschaft - Mehr als nur Bekannte

Auf meine Freunde kann ich mich verlassen. Meine Freunde sind für mich da. Wir sind Freunde fürs Leben.
Manchmal gehen wir nahe zu verschwenderisch mit solchen oder ähnlichen Sätzen um. Du bist meine beste Freundin.
Es ist oft leicht auf die Geburtstagskarte geschrieben, spätestens nach dem 3 Glas Sekt genauso leicht gesagt. Es zu fühlen ist oft nicht schwer. Nach einem schönen Abend im Kino ist die eine Freundin so wunderbar dass sie einen Platz auf der Kurzwahlbeleung im Handy ergattert.
Doch was wäre wenn wir wirklich nur 9 frei Plätze hätten. Wer hätte einen Platz verdient abgesehen von Partner und Eltern?
Wann ist ein Freund ein guter Freund und wann wird eigentlich aus einem Bekannten etwas anderes? Gibt es Zeitangaben für Freundschaft? Ist wahre Freundschaft wirklich nur über Jahre aufbaubar? Und endet echte Freundschaft nie?

Freunde findet man überall sagt es sich so leicht. Bei Freunden kann man so sein wie man ist.
Es gab schon viele Menschen die ich als meine Freunde bezeichnet habe. Mit den einen sas ich schon im Sandkasten, mit den anderen habe ich lange Zeit nur auf einen schönen Abend in der Disco angestossen bis wir irgendwann zu wahren Freunden wurden.
Eine lange Freundschaft kann zauberhaft sein. Man versteht sich blind, weiss was der andere denkt, hat viele gleiche Interessen und vor allem man weiss dass der andere für einen da ist. Im Laufe des Lebens bleiben von diesen Freundschaften nur die wenigsten bestehen, zwischen Pubertät, Beruf und Parnter durchlaufen wir die verschiedenen Stufen die so eine Freunschaft mitmachen kann. Von dem täglichen telefonieren oder schreiben fällt der Rythmus irgendwann auf wöchentlich ab. Die gemeinsamen Wochenenden werden immer wieder verschoben und ehe man sich versieht vergisst man sogar den Geburtstag, der doch immer so gross geschrieben wurde.

Der Freundeskreis des Partners wird irgendwann genauer begutachtet, näher kennen gelernt und man stellt meist fest, dass es schon einen Grund hat warum es die Menschen bei einem sich selbst so nahe stehenden Menschen ins Herz geschafft haben. Aus Restaurantbesuchen entwickeln sich Abende unter Frauen, aus seinem besten Freund wird jemand mit dem ich unglaublich gut lachen kann.

Die beste Freundin zieht ans andere Ende des Landes. Die Telefonate werden so wenig, dass es sie teilweise nicht einmal mehr zwischen 2 Besuchen innerhalb von 5 Monaten gibt. Es besteht kein email Konakt und trotzdem denkt man oft an sie. Wenn sie aber da ist dann ist sie vollkommen da. Als wäre sie nie weg gewesen. Eine wahre Freundin also. Eine die ich immer anrufen kann, die mich immer versteht - auch ohne Worte. Worte die wir 5 Monate lang nicht aussprechen wenn es gerade mal wieder stressig im eigentlichen Hier ist.
Wenn sie aber da ist sagt das Herz ja. Das Vertrauen ist trotz Entfernung geblieben. Vielleicht weil wir vorher Jahre lang immer zusammen waren und wir noch einen großen Vorrat an Zeit haben den wir auch ohne einander verbringen können? Wenn sie geht ist es schrecklich aber seit nun mehr 6 Jahren läuft das so und trotzdem bleibt sie wichtig weil Herz und Verstand im Einklang sind, dass sie zu den Wahren gehört.

Sie war immer dabei. Immer vertreten, wenn auch eher ruhig. Ab der Beziehung zu meinem Freund lernte ich sie als Mitglied seines Freundeskreises kennen. Wir sprachen eigentlich nie. Sie war immer eher die Ruhige. Kam mir von ihrer Art ganz unpassend für eine Freundschaft vor. Nach über 1 Jahr und "Smaltalk" kamen wir ins Gespräch. In ein wahrhaftes ehrliches Gespräch in dem ich feststelle wie wunderbar sie war. Nach nur wenigen Treffen zähle ich sie zu meinen Freunden. Weil ich ihr vertraue. Weil mein Herz mir sagte, dass sie wahrhaft wunderbar ist.

Am Endes des Tages bin ich mir sicher, dass Freundschaft keine Zeitlimits hat. Aus Bekannten können Freunde werden, leider auch aus Freunden Bekannte. Die Zeit läuft unwiederruflich weiter. Mit der Zeit verändert man sich. Die einen Freunde entwickeln sich in unsere Richtung oder passen sich dieser an. Die anderen gehören einfach nicht mehr dazu und trotzdem haben wir ein wundervolles Stück Zeit mit ihnen verbracht. Neue Freunde kommen dazu und oft fragen wir uns, wie wir bis jetzt ohne so einen Freund ausgekommen sind. In entscheidenden Moment sollten wir auf unser Herz hören, denn die Zeiten und Freunde ändern sich aber nur die, die unsere Hand anfassen und unser Herz berühren sind die, bei denen wir am Ende des Tages wissen warum genau sie es wert sind, und dass es einen guten Grund gibt, warum wir sie mit in unsere Zukunf nehmen.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Ich finde dich schön - Wollen wir mehr Offenheit in der Gesellschaft?

Dem Partner sagen wir oftmals gerne wie gut er heute wieder aussieht, der besten Freundin wie hübsch sie sich gemacht hat, und das neue Tshirt vom guten Kumpel steht ihm richtig gut.
Menschen die uns vertraut sind lassen wir gerne an unserem obejektiven Denken teilhaben. Wir machen ihnen selber Komplimente und lästern über das Mädchen auf der anderen Straßenseite, die in der Lederleggins total unvorteilhaft gekleidet ist.
Unter Frauen wird der neue Mann von nebenan als durchaus hübsch betitelt und wenn die Jungs am Abend in der Kneipe sitzen stellen sie fest, dass die Kellnein verdammt gut aussieht.
Für gewöhnlich sparen wir uns Komplimente bei Fremden. Was sollen die davon auch denken? Es für eine nett gemeinte Aussagen halten? Wohl eher für eine blöde Anmache.
Aber warum eigentlich? Sollten wir nicht vielleicht für mehr Offenheit in der Gesellschaft sein und damit vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern können, selbst wenn die UBahn mal wieder viel zu überfüllt ist und der Tag sowieso schon schlecht begonnen hat?

Im Schulbus sitzen gehörte immer zu den langweilgesten Momenten in der Schulzeit. Morgens war die Laune irgendwo zwischen verschlafen und "ich muss da mal noch eben was abschreiben", Mittags war man dann irgendwo an dem Punkt zwischen immernoch oder eher schon wieder müde und hoffentlich bin ich bald zu Hause.
Im vorderen Bereich des Bussen sas seit Beginn des Halbjahres ein Mädchen auf das meine Blicke immer wieder fielen. Sie hatte die wohl schönsten Augen die man sich nur vorstellen konnte. Von Wimpern ummalt und so klar und funkelnd, dass sie einfach nur zauberhaft waren.
Freunden, die im Bus neben mir sasen hab ich das gerne erzählt. Die einen waren meiner Meinung, die anderen vollkommen entsetzt denn..

Es hatte einen Durchmesser von mindesten 5cm an den breitesten Stelle und zog sich über die komplette linke Wange. Das Feuermal welches dieses Mädchen im Gesicht hatte. Es spielte nie eine Rolle für mich weil ihre wunderschönen Augen von all dem ablenkten und man sie trotzdem zauberhaft fand.
An irgendeinem Tag, als sie nur eine Reihe vor mir sas und sich unsere Blicke trafen habe ich es ihr gesagt, "deine Augen sind wirklich wunderschön". Sie drehte sich weg und vielleicht täuschte mich mein Gefühl aber ich glaube ab diesem Tag hat sie versucht möglichst weit von mir entfernt zu sitzen. Hielt sie das ganze für einen böse gemeinten Scherz weil sie sich vielleicht selbst nicht wirklich mag oder können wir mit Komplimenten von Fremden generell nicht umgehen?
Gegensätzlich muss man sich aber auch die Frage stellen, ob wir Komplimente von uns nahe stehenden Personen generell immer glauben können. Sagen sie manches vielleicht nur um uns Honig um den Mund zu schmieren? Die Stimmung aufrecht zu erhalten? Einfach nett zu sein?

Ninas Tshirt fand ich schon aus der 50 Metern Entfernung aus der sie mir entgegen kam furchtbar. Die Farbe war für meinen Geschmack zu knallig und der Schnitt total out. Als wir uns zur Begrüßung umarmten und sie sagte "guck mal mein neues Tshirt, toll oder?", ertappte ich mich dabei wie ich sagte "sieht klasse aus". Ich wollte sie nicht enttäuschen, sie nicht verletzen, der guten Freundschaft wegen. Viel schlimmer war aber, dass sie mir glaubte, ohne Zweifel glaubte und zufrieden grinste.

Am Abend begann in über Offenheit und ehrliche Kritik nachzudenken und kam zu dem Entschluss, dass ich nie erfahren werden ob mir das Mädchen im Schulbus geglaubt hätte, wenn sie kein Feuermal gehabt hätte. Ich denke, dass äusserliche Komplimente vor allem von Fremden nur dann gerne angenommen werden, wenn diese sich selbst so mögen wie sie sind. Dar man das wiederrum von aussen nicht erkennen kann bleibe ich dabei sowas lieber meinen Freundinnen zwischen Latte Machiatto und Pizza im Lokal um die Ecke zu erzählen. Vorgenommen habe ich mir aber, meinen Freunden gegenüber ehrlicher zu werden was Meinungen angeht. Seit diesem Entschluss werde ich von manchen Freunden gar nicht mehr gefragt, aber was für mich viel wichtiger ist, von vielen werde ich genau deswegen gefragt, weil sie den ehrlichen Rat einer guten Freundin haben wollen, bei der sie sich sicher sind, dass sie die Wahrheit sagt.